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Das Leben ist keine Baustelle, sondern ein Fernsehspiel. Doris Dörrie spielt erstmals in einem Film selbst.
Die Welt, 21.09.99, von Kristin Beckmann |
![]() | Doris Dörrie, Matthias Freihof und Pierre Sanoussi-Bliss |
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Er toupiert ihren Hinterkopf, sie zupft an ihrem Pony. "Soll ich denn aussehen wie meine Großmutter?", erregt sich Pascal von Wroblewsky und wuselt mit den Händen durch ihr Haupthaar. "Da isse hin, die Pracht", bedauert der Maskenbildner mit Leidensmiene. Die Berliner Sängerin und Schauspielerin kümmert's kaum. Sie springt auf und schlägt trällernd den Weg zum Drehort ein. Der liegt für die nächsten Stunden in der Nähe des ehemaligen DDR-Rundfunkgeländes in der Nalepastraße. Es ist Nacht und es hat geregnet. "Damit das Scheinwerferlicht besser reflektiert wird", weiß eine Assistentin. Wegen der größeren Dramatik", wirft Pascal von Wroblewsky ein. Aufgesetzte Spannungsmomente jedoch scheint der Film, der derzeit im Prenzlauer Berg rund um die Stargarder und Lychener Straße sowie in Köpenick gedreht wird, kaum zu brauchen. Ausreichend dramatisch und tragisch verspricht der Streifen "Zurück auf Los" allein wegen des Stoffes zu werden. Sam, ein in Ostdeutschland aufgewachsener Farbiger, lebt im Kiez und versucht, mit aufpolierten, alten DDR-Schlagern und -hits einen Erfolg zu landen. |
Sein Held ist schwul und erfährt, dass er HIV-positiv ist. Sein Ex-Freund stirbt an den Folgen
von Aids. Das Glück mit dem neuen Lover ist nur von kurzer Dauer. Dieser erblindet bei einem Autounfall. Auch eine alte Freundschaft, die sonst allen Erschütterungen des Lebens trotzte, bekommt Risse. Der Film beschönigt nichts, er zeigt homosexuellen Berliner Alltag in all seinen Facetten. Mitunter geht es hart zur Sache, auch in der Sprache. Das Leben ist keine Baustelle, sondern eine "alte Sau" (Sanoussi-Bliss) Vieles von dem, was Piere Sanoussi-Bliss in Sams Alltag projeziert hat, kennt er gut genug aus eigenem Erleben. Der 36-jährige Schauspieler, der in der DDR aufwuchs und bis 1990 am Staatsschauspiel Dresden engagiert war, weiß, wie schwer es für ihn ist, besetzt zu werden. "Wenn für eine Rolle nicht ausdrücklich ein Farbiger verlangt wird, fragt niemand nach dir", erzählt der Berliner, der auch in Prenzlauer Berg wohnt. Hauptrollen hätte er bisher nur in Doris Dörries "Keiner liebt mich" (1995) und in der ZDF-Krimi-Serie "Der Alte" erhalten. "Da habe ich mir einfach meine eigene Hauptrolle geschrieben", so Sanoussi-Bliss. |

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Er ist einer von jenen selbst bestimmten Lebenskünstlern, die der Prenzlauer Berg mehr als nur gut kennt. Die CD wird natürlich ein Flop, die Revivals längst vergessener Songs von Holger Biege und Veronika Fischer bleiben aus. Ironie der Geschichte: Die Szenen der Aufnahmen mit Sam und Pascal von Wroblewsky, die auch im Film eine Sängerin spielt, werden in leeren, nachhallenden Studios des alten DDR-Rundfunkgeländes gedreht. Ein Ort, wo einst viele Ost-Hits produziert wurden. Eine dahindämmernde Geisterstadt, wo man den verwinkelten Weg zum Klo sogar riechen kann. "Der Film erzählt eine schwule Tragikkomödie, die von Liebe und Tod, Aids und Freundschaft, Behinderung und Rassismus berichtet", sagt Pierre Sanoussi-Bliss, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller des Sam. |
Für seinen eigenen Film hat er eine hochkarätige Crew zusammengetrommelt - Matthias Freihof ("Coming out"), Dieter Bach ("Marienhof"), Susanne Böwe, Anja und Gerit Kling. Eine schöne Überraschung: Regisseurin Doris Dörrie gibt ihr Debüt als Schauspielerin in der kleinen Rolle als Sams Zahnärztin. An der Kamera steht Thomas Plenert, der bisher für Lothar Warneke ("Blonder Tango", 1985), Frank Beyer ("Nicolaikirche", 1995), Helge Misselwitz ("Engelchen", 1996) und Jan Schütte ("Fette Welt", 1998) arbeitete. Plenert drehte auch den positiv besprochenen Dokumentarfilm "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" von Volker Koepp. "Der Streifen hat das Zeug zum Kultfilm", ahnen einige der Mitwirkenden schon jetzt. Das Kino "International" an der Karl-Marx-Allee hat eine Voraufführung für Ende Oktober geplant. Das wäre das erste Mal, dass ein Film der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" in einem Filmtheater laufen würde. Für diesen Fall haben die Produzenten der Firma "Ö-Film" angekündigt, einen Teil der Erlöse der Deutschen Aids-Hilfe zu stiften. |
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